Ein kritischer, engagierter und aufgeschlossener Hellmut Kuby sitzt mir gegenüber. Geboren und aufgewachsen in der Pfalz, anschließend erfolgt ein Studium an der TH in Karlsruhe. Dort erhält er entscheidende Impulse für das Verständnis  für Musik und Kunst bei seiner Wirtsfamilie. Es wird Hausmusik zelebriert und die Malerei nimmt Raum ein. Während des Studiums engagiert er sich politisch. Die Aufarbeitung der Nachkriegszeit bei einer gemeinsamen Tagung der Studentengemeinden Karlsruhe, Heidelberg, Tübingen und Stuttgart, lässt ihn nicht mehr los. Vorträge von namhaften Persönlichkeiten in Bad Boll bestätigen ihn auf seinem Weg zum überzeugten Friedensaktivisten. Das politische Geschehen fordert bis in die Gegenwart seine Mitwirkung,  

Nach Beendigung des Studiums bekommt er 1958 durch die Freundschaft mit Eberhard Weinbrenner die Chance in Nürtingen zu arbeiten. 

Es entsteht in den folgenden Jahren das Architekturbüro Weinbrenner, Kuby, Rehm                       und Mayer. Eine der wichtigsten Aufgaben in seinen Anfängen ist der Bau der Versöhnungskirche. Es folgen unter anderem der Bau der Stadthalle, Bauten im Roßdorf. Das Unternehmen wuchs zeitweise auf 50 Mitarbeiter an. Hellmut Kubys letztes Projekt als Projektleiter ist von 1982 bis 1992 die Renovierung des denkmalgeschützten „Haus auf der Alb“ in Bad Urach. Erbaut im Stil der klassischen Moderne (Bauhaus), fesselte ihn die Geschichte des Hauses und seines Erbauers. 

Durch die Arbeit in der Friedensbewegung und sein christliches Engagement blieb es nicht aus, sich in Nürtingen für öffentliche Belange eizusetzen. Bei der geplanten Erweiterung des Rathauses sollte beim Ausbau der Tiefgarage auch ein Atomschutzraum entstehen. Schon 1984 gab es massiven Protest in der Bevölkerung, einem geplanten Neubau für einen Schutzraum zuzustimmen. 1985 erreichten die Bunker-Gegner die Zustimmung des Gemeinderates für einen Volksentscheid im Jahr 1986. Große Anstrengungen seitens der Initiative ergaben das Votum:  85 % der sich beteiligenden Bevölkerung stimmten gegen den Schutzraumes, ein eindeutiges Ergebnis.

2015 eröffnet Hellmut Kuby mit einer sehr persönlichen Rede den Nürtinger DENK ORT bei der Kreuzkirche, gedacht für die Opfer des Nazi Regimes, mit dem brennenden Anliegen, „nie wieder“. 

Hellmut Kuby wünscht sich für Nürtingen einen Ort, an dem Anregungen und Ideen aus der Bürgerschaft nicht nur gesammelt und abgelegt, sondern sehr ernst genommen, abgestimmt und dann auch zur Ausführung kommen. 

Befragt und notiert von Gudrun Röhr, September 2021, Copyright